Stillen… und wenn es dann mal nicht so klappt

WELTSTILLWOCHE 3. bis 9. Oktober 2022:
„Stillen stärken – informieren und begleiten“

 

5 Tipps zum Stillen …wenn es mal nicht so klappt

Von allen Seiten hören und lesen wir, wie viele Vorteile das Stillen mit sich bringt und wie es unser Leben erleichtert. Leider klappt das Stillen nicht immer so einfach. Auch Stillen will gelernt sein. Bestimmte Probleme treten immer wieder auf. 5 Tipps zum Stillen und den am häufigsten damit verbundenen Problemen wollen wir dir hier vorstellen.

1. Wenn die Brustwarzen wund werden

Gerötete, schmerzhafte Brustwarzen bis hin zu offenen Wunden und starken Schmerzen beim Stillen werden als wunde Brustwarzen bezeichnet. Es kann natürlich sein, dass das Stillen anfangs unangenehm ist, aber wenn bei jedem Anlegen die Zähne zusammengebissen werden müssen oder die Luft angehalten werden muss, dann ist es auf jeden Fall notwendig, sich Hilfe zu holen.

Es kommt zu wunden Brustwarzen, wenn das Baby die Brustwarze nicht korrekt oder zu wenig erfasst. Im Fachjargon spricht man von einer falschen Anlegetechnik. Was heißt das jetzt für die Mama?

Grundsätzlich ist es wichtig bei jedem Anlegen darauf zu achten, dass das Baby den Mund weit aufmacht und möglichst viel von Brustwarze und Vorhof in den Mund saugt. Wenn wir von einem Burger abbeißen, versuchen wir den Mund möglichst weit aufzumachen und knabbern nicht nur ein bisschen am Salatblatt. Manche Babys saugen nur an der vordersten Spitze der Brustwarze und Saugen nicht den Vorhof der Brustwarze mit ein. Der Mund war beim Anlegen nicht weit genug offen oder ein Teil der Brust ist beim Anlegen wieder rausgerutscht. Ist die Unterlippe des Babys beim Stillen nach innen geklappt, erzeugt dies Druck auf die Brustwarze. Auch das kann Schmerzen und Verletzungen der Brustwarze verursachen.

Sind die Burstwarzen schon wund und jedes Anlegen schmerzhaft, hilft es die Brustwarze zweimal täglich mit einer milden Seife oder einem Schleimhautdesinfektionsmittel zu reinigen und die Brustwarze mit Lanolin zu pflegen. Luft an der Brust unterstützt die Heilung der Brustwarzen.

Deine Hebamme unterstützt dich dabei, die Anlegetechnik so zu verbessern, dass du das Stillen wieder genießen kannst. Auch bei den Maßnahmen zur Wundheilung der Brustwarzen ist deine Hebamme eine gute Unterstützung.

2. Der Einfluss von Stress auf die Milchbildung

Schon in den ersten Tagen nach der Geburt ist Stress kontraproduktiv bei der Milchbildung im Aufbau: Mutter und Kind brauchen Zeit und Ruhe, um einander kennenzulernen und zu bonden und auch das Stillen und die richtige Anlegetechnik zu lernen.

Genau in dieser sensiblen Zeit finden viele Besuche und Termine statt. Die Verwandten und viele Freund*innen wollen das Baby willkommen heißen und wollen im Krankenhaus oder zuhause bei der jungen Familie bewirtet werden. Die frisch gebackenen Eltern haben einen hohen Anspruch, was sie alles nach der Geburt machen. Professionelle Fotos, Posts auf Facebook, Instagram und dergleichen.

All dies löst Stress bei der Mutter aus, der für die ausreichende Milchbildung hinderlich sein kann.

3. Ruhe, Ruhe, Ruhe

Der beste Tipp ist, tief durchzuatmen, den Anspruch runterzuschrauben, alles perfekt machen zu müssen. Die Wohnung muss nicht immer zusammen geräumt sein. In manchen Situationen ist man einfach überfordert und es wird einem alles zu viel. Sprich mit deiner Vertrauensperson, lass dich in dem Arm nehmen. Es muss nicht alles in den ersten vierzehn Tagen nach der Geburt passieren. Verschieb die Termine auf einen späteren Zeitpunkt, soweit das geht. Besuche sollen etwas zu essen mitbringen und sollen kurzgehalten werden (ca. 30 Minuten).

Wenn der Druck rausgenommen ist, alles perfekt zu machen, reduziert sich der Stress. Mit weniger Terminen haben die Mamas mehr Zeit für Bonding und alles, was damit zusammenhängt. Das unterstützt die Reduktion der Stresshormone und die Ausschüttung der Hormone, die für die Milchbildung können die richtigen Hormone ausgeschüttet werden.

4. Milchstau

Bei einem Milchstau handelt es sich um eine mangelnde Entleerung der Brust. Dabei sind einzelne Areale der Burst oder die ganze Brust prall und druckempfindlich. Am besten dagegen hilft die regelmäßige Entleerung der Brust, das heißt, es wird regelmäßig und ausreichend lange gestillt. Wichtig ist auch, dass Stillmahlzeiten nicht hinausgezögert werden, wenn beispielsweise Besuch da ist. Wenn es für dich unangenehm ist, vor dem Besuch zu stillen, dann such dir zuhause Privatsphäre und geh zum Stillen beispielsweise ins Schlafzimmer.

Ein Milchstau kann auch mechanische Ursachen haben, zum Beispiel können Bügel-BHs Druck auf den Busen auslösen. Lass also zu enge Kleidung und Bügel-BHs in der Stillzeit weg.

Kommt es zu einem Milchstau, dann kühle nach dem Stillen deine Brust. Vor dem Stillen können auch Wärmeauflagen verwendet werden, damit die Milch während dem Stillen fließt. Wichtig ist, dass du sowohl Coolpads, als auch Wärmeauflagen nicht direkt auf Brustwarzen auflegst. Auch eine Brustmassage ist in diesem Fall sehr hilfreich. Am besten du fragst deine Hebamme.

Bessern sich die Symptome nach 24 Stunden nicht, muss abgeklärt werden, ob es sich um eine Mastitis handelt. Auch da kann dir deine Hebamme weiterhelfen.

5. Mastitis

Im Gegensatz zum Milchstau, bei dem die Frau vielleicht erhöhte Temperatur bis zu leichtem Fieber bis 38,4 entwickeln kann, haben Frauen bei einer Mastitis über 38,5 Grad Fieber. Bei der Brust ist eine abgegrenzte Rötung zu sehen, die auch schmerzhaft sein kann. Im Unterschied zum Milchstau muss das gerötete Areal nicht gestaut sein.

In einem ersten Schritt helfen bei einer Mastitis die Kühlung der Brust, zum Beispiel durch Topfenwickel. Es muss jedoch von Ärzt*innen abgeklärt werden, ob Schmerzmittel und Antibiotika gebraucht werden. Am besten, du fragst deine Hebamme, ob ein Besuch bei einem/einer Ärzt*in notwendig ist.


Waren unsere 5 Tipps zum Stillen für dich hilfreich? Wenn du weitere Fragen hast, wende dich an deine Hebamme – sie steht dir persönlich mit Rat & Tat zur Seite!

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