Viele Babys möchten in den ersten Lebenswochen besonders viel Körperkontakt und Nähe spüren und da können Tragehilfen eine praktische Unterstützung sein. Sie ermöglichen das Tragen, während die Hände für andere Tätigkeiten frei bleiben. Hier einige, wichtige Fakten, Tipps und Infos zu Tragehilfen und dem Tragen von Babys.
Warum tragen viele Eltern ihr Baby gerne?
Tragen kann den Alltag mit einem Baby erleichtern. Ein Kind kann nah bei seiner Bezugsperson sein, während diese sich innerhalb der jeweiligen Möglichkeiten bewegen kann.
Viele Eltern empfinden das Tragen außerdem als angenehm, weil das Gewicht des Babys mit einer geeigneten Tragehilfe besser verteilt werden kann als beim längeren Tragen auf einem Arm.
Für das Baby bedeutet die Nähe Bewegung, Körperkontakt und die Möglichkeit, die vertraute Bezugsperson unmittelbar wahrzunehmen.
Tragen kann insbesondere dann hilfreich sein, wenn ein Baby unruhig ist oder viel Körperkontakt benötigt.
Tragetuch oder Tragehilfe?
Beides kann gut funktionieren.
Tragetücher gibt es beispielsweise als elastische oder gewebte Varianten. Bei strukturierten Tragehilfen gibt es unterschiedliche Systeme – von Half-Buckle-Tragen mit teilweise gebundenen Trägern bis zu Full-Buckle-Modellen, die überwiegend mit Schnallen angepasst werden.
Die beste Tragehilfe ist nicht automatisch die teuerste oder beliebteste. Sie sollte zum Alter und Entwicklungsstand des Babys passen und sich für die tragende Person bequem und sicher einstellen lassen.
Wichtig ist außerdem, die Angaben des Herstellers zu Mindestgewicht, Alter und geeigneter Trageposition zu beachten.
Eine professionelle Trageberatung kann gerade am Anfang sehr hilfreich sein. Dabei kann ausprobiert werden, welche Trageweise zum Baby und zu den Eltern passt. Denn für jeden passt etwas anderes am Besten.
Die richtige Haltung des Babys
Bei kleinen Babys sollte besonders auf eine gute Unterstützung des Körpers geachtet werden.
Die häufig als Anhock-Spreiz-Haltung oder M-Position bezeichnete Stellung gilt als hüftfreundlich. Dabei sind die Knie etwa auf Höhe oder etwas oberhalb des Gesäßes und die Oberschenkel werden von der Trage unterstützt. Eine solche Position kann die natürliche Entwicklung der Hüften unterstützen. Sie ist jedoch keine Garantie dafür, dass eine Hüftdysplasie verhindert wird.
Besonders wichtig ist, dass die Beine nicht über längere Zeit eng zusammen und nach unten gestreckt gehalten werden. Eine ungünstige, dauerhaft eingeschränkte Hüftposition sollte vermieden werden.
Sicherheit geht vor: Die Atemwege müssen frei bleiben
Bei Neugeborenen und jungen Säuglingen ist die Kontrolle der Kopf- und Nackenmuskulatur noch nicht vollständig entwickelt. Deshalb ist beim Tragen die Position des Kopfes besonders wichtig.
Das Gesicht des Babys muss jederzeit sichtbar sein. Stoff, Kleidung oder der Körper der tragenden Person dürfen Nase und Mund nicht bedecken. Ebenso wichtig ist, dass das Kinn nicht auf die Brust gedrückt wird. Ein stark geneigter Kopf kann die Atemwege einengen. Diese Punkte sind insbesondere bei jungen Säuglingen wichtig.
Eine hilfreiche Merkhilfe ist die sogenannte T.I.C.K.S.-Regel:
T – Tight: Das Baby sitzt eng und sicher am Körper.
I – In view: Das Gesicht ist jederzeit sichtbar.
C – Close: Das Baby ist so nah, dass die Stirn bzw. der Kopf problemlos geküsst werden kann.
K – Keep chin off the chest: Das Kinn liegt nicht auf der Brust.
S – Supported: Rücken und Körper werden ausreichend unterstützt.
Nach innen oder nach außen?
Für junge Babys ist die nach innen gerichtete Trageweise besonders geeignet. Dabei kann das Kind eng am Körper der Bezugsperson getragen und gut unterstützt werden.
Eine nach außen gerichtete Trageweise ist nicht pauschal abzulehnen, wird aber von Hebammen und Trageberater:innen auch nicht wirklich empfohlen – besonders für Neugeborene.
Bei einem sehr jungen Baby sind Kopf, Nacken und Rumpf noch nicht ausreichend kontrolliert. Deshalb ist die nach außen gerichtete Position für Neugeborene nicht geeignet.
Darf mein Baby in der Trage einschlafen?
Viele Babys schlafen beim Tragen ein. Das ist nicht ungewöhnlich.
Einschlafen in der Trage bedeutet aber nicht, dass die Sicherheitskontrolle entfallen darf.
Gerade bei kleinen Babys sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob die T.I.C.K.S-Regel eingehalten wird. Das Risiko einer gefährlichen Atemwegsverlegung ist insbesondere bei jungen Säuglingen relevant. Deshalb sollte ein Baby in der Trage nicht einfach unbeobachtet weiterschlafen.
Wenn ein Baby deutlich zusammensackt oder die Atemwege nicht mehr frei sind, muss die Position sofort korrigiert werden. Für längeren Schlaf ist ein sicherer, flacher und fester Schlafplatz oft die bessere Umgebung.
Wie lange darf ein Baby getragen werden?
Eine starre Zeitangabe, die für jedes gesunde Baby gleichermaßen gilt, gibt es nicht.
Viel wichtiger als eine bestimmte Stundenzahl sind die richtige Position und die regelmäßige Kontrolle des Kindes.
Stillen und Füttern in der Trage?
Die Vorstellung, während des Tragens unkompliziert zu stillen oder das Baby mit der Flasche zu füttern, klingt praktisch.
Aus Sicherheitsgründen sollte das Baby zum Füttern jedoch aus der Trage genommen werden. Besonders bei kleinen Säuglingen kann sich die Position während des Trinkens verändern und die Atemwege können beeinträchtigt werden.
Aktuelle Empfehlungen raten deshalb davon ab, Babys „hands-free“ in der Trage zu stillen oder zu füttern. Nach dem Füttern kann das Baby wieder sicher in der Trage positioniert werden.
Was tun, wenn das Baby die Trage nicht mag?
Nicht jedes Baby liebt die Trage von Anfang an. Bevor man daraus schließt, dass das Kind grundsätzlich nicht getragen werden möchte, lohnt sich ein Blick auf die Situation.
Mögliche Gründe können sein:
- das Baby ist hungrig oder müde,
- ihm ist zu warm,
- es trägt zu viel Kleidung,
- die Trage sitzt zu eng oder zu locker,
- der Kopf wird nicht ausreichend unterstützt,
- die Position fühlt sich für das Baby unangenehm an,
- das Baby braucht zunächst Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen.
Manchmal hilft es, die Trageweise gemeinsam mit einer erfahrenen Trageberaterin oder Hebamme zu überprüfen.
„Blockaden“ sind keine Diagnose
Sogenannte Blockaden können beispielsweise nach einem Kaiserschnitt oder einer Vakuumgeburt auftreten und eventuell eine osteopathische Behandlung sinnvoll werden lassen. Hier kann man zum Cranio Sacral Balancing, etc. gehen oder zur osteopathischen Therapie – wichtig ist eine spezielle Kinder- und Baby-Ausbildung des Anwenders/ der Anwenderin.
Für osteopathische bzw. manipulative Verfahren bei Säuglingen ist die Studienlage allerdings nicht ausreichend, um einen allgemeinen therapeutischen Nutzen sicher zu belegen. Fakt ist aber, dass viele Eltern danach eine Besserung wahrnehmen und daher dankbar für die Behandlung sind. Wenn es also hilft oder auch eventuell nur „Placebo – Effekt“ ist, geholfen hat es am Ende.
Wenn ein Baby ungewöhnlich viel weint, Bewegungen vermeidet, deutliche Schmerzen zeigt oder eine körperliche Auffälligkeit besteht, sollte zunächst eine kinderärztliche bzw. fachliche Abklärung erfolgen.
Wird mein Baby durch Tragen verwöhnt?
Nein. Ein Baby kann nicht dadurch „verwöhnt“ werden, dass seine Eltern auf sein Bedürfnis nach Nähe reagieren.
Gerade Neugeborene sind auf die Regulation durch ihre Bezugspersonen angewiesen. Nähe, Körperkontakt und eine verlässliche Reaktion auf Signale sind normale Bestandteile des Zusammenlebens mit einem Baby.
Gleichzeitig muss niemand sein Kind ständig tragen. Auch Eltern dürfen ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigen. Ein Baby kann getragen, gekuschelt, gestillt, auf einer sicheren Unterlage abgelegt oder im Kinderwagen spazieren gefahren werden.
Eine kleine Sicherheits-Checkliste zum Abschluss:
Bevor Sie mit Ihrem Baby losgehen, lohnt sich ein kurzer Blick:
✓ Ist die Trage für Alter und Gewicht meines Babys geeignet?
✓ Sitzt mein Baby eng und stabil am Körper?
✓ Ist sein Gesicht jederzeit sichtbar?
✓ Sind Mund und Nase frei?
✓ Ist das Kinn nicht auf die Brust gesunken?
✓ Wird der Rücken ausreichend unterstützt?
✓ Sind die Hüften und Oberschenkel günstig positioniert?
✓ Ist meinem Baby weder zu warm noch zu kalt?
✓ Kann ich mein Baby jederzeit beobachten?
✓ Habe ich die Trage entsprechend der Herstellerangaben eingestellt?
Gerade bei Neugeborenen lohnt es sich, die Handhabung zunächst in Ruhe zu üben – idealerweise mit fachlicher Unterstützung.
Nähe darf einfach Nähe sein
Tragen kann eine wunderschöne Möglichkeit sein, einem Baby Nähe und Geborgenheit zu geben und gleichzeitig den Alltag flexibler zu gestalten. Entscheidend sind eine passende Tragehilfe, eine gute Positionierung und vor allem freie Atemwege. Und wenn das Baby einmal nicht getragen werden möchte, ist das ebenfalls völlig in Ordnung.
Nähe braucht keine bestimmte Tragehilfe. Sie entsteht vor allem dadurch, dass Eltern und Kind einander wahrnehmen, aufeinander reagieren und gemeinsam ihren eigenen Weg finden. Aber das Tragen ist eine gute Möglichkeit von vielen, um Nähe zu schenken.
Autor/in : Hebammen Team Hebammen.at
Das Hebammen Team des Österreichischen Hebammengremiums


