Die Schwangerschaft- Ein Reisebegleiter

Ich bin schwanger! Mit dieser Erkenntnis beginnt eine aufregende Zeit, die etwa 40 Wochen dauert und mit vielen Veränderungen einhergeht. Schritt für Schritt verändert sich der eigene Körper, Woche für Woche entwickelt sich das ungeborene Kind weiter und gemeinsam mit diesen Veränderungen tauchen viele Fragen auf. Dieser Reisebegleiter bietet Ihnen einen kurzen Überblick über die Meilensteine der Schwangerschaft:

 

1. Trimester: 1.-12. Schwangerschaftswoche

Im ersten Drittel der Schwangerschaft erfolgt die Befruchtung und Einnistung des Babys. Es beginnt sich von einer Zellansammlung zu einem kleinen Menschen zu entwickeln. Alle Organe werden angelegt und der Körper der Mutter wird durch das Hormon HCG auf die Schwangerschaft eingestellt, häufig mit den bekannten Folgen: Schwangerschaftsübelkeit, Müdigkeit und Ziehen im Unterbauch.

 

2. Trimester: 13.-24. Schwangerschaftswoche

In dieser Phase ist schon alles im Baby angelegt. Die Organe entwickeln sich weiter zu ihrer vollen Funktionsfähigkeit und viele von ihnen nehmen allmählich ihre Funktion auf. Das Baby übt und trainiert fürs Leben außerhalb des Bauches: Schlucken, sich bewegen, Daumen lutschen,…; Außerdem wächst es enorm, die Proportionen seines Körpers verändern sich und es wird immer mehr zu einem richtigen kleinen Menschen. Am Ende dieses Trimesters ist es im Notfall mit optimaler intensivmedizinischer Betreuung sogar schon lebensfähig. Für die Mama ist diese Zeit meist die angenehmste Phase der Schwangerschaft: die Anfangsbeschwerden klingen ab und die Größe des Bauches nimmt zwar zu, ermöglicht aber noch viele Aktivitäten.

 

3. Trimester: 25. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt

Die letzte Phase der Schwangerschaft hindurch perfektioniert das Baby seine Organfunktionen: insbesondere die Lunge muss noch fertig ausreifen. Ansonsten wird das Baby vor allem robuster: es nimmt ordentlich an Gewicht zu, seine Haut wird dadurch glatter und fester und die Muskeln werden fleißig weiter trainiert. Für die Mama hingegen wird es nun oft deutlich beschwerlicher: immerhin leistet ihr Körper großartige Arbeit, um die Entwicklung des Babys zu ermöglichen. Der große Bauch drückt in alle Richtungen und führt dazu, dass gegen Ende auch der Alltag schon recht beschwerlich wird: da freut man sich dann so richtig, wenn die Geburt losgeht und man sein Baby endlich in die Arme schließen kann!

 

1.-4. Schwangerschaftswoche

Veränderungen bei der werdenden Mutter:

Die Regel bleibt aus? Die Brüste sind ungewöhnlich empfindlich? Sie müssen ständig zur Toilette? Viele werdende Mütter bemerken bereits Ende der 4. Woche diese frühen Schwangerschaftsanzeichen und vermuten, dass es in diesem Zyklus geklappt haben könnte.

Infobox

Wie werden Schwangerschaftswochen gezählt?

Schwangerschaftsrechner berechnen den Geburtstermin indem sie 40 Wochen zum 1. Tag der letzten Regelblutung hinzuzählen. Manche berücksichtigen auch die Dauer des Zyklus.

Die Zählweise der Schwangerschaftswochen beginnt mit dem ersten Tag der letzten Regelblutung, weil dieser sich leicht ermitteln lässt, während der Zeitpunkt des Eisprungs häufig nicht so klar ist. Dieser findet meist etwa zwei Wochen nach dem ersten Tag der Regelblutung statt. Kommt es zu einer Befruchtung und gelungenen Einnistung des Embryos (so wird das Ungeborene während der ersten Schwangerschaftswochen bezeichnet), so bleibt die Regelblutung zwei Wochenspäter aus.

Fachexperten, wie Ihre Hebamme, berechnen die Dauer auf den Tag genau:

4+0: bedeutet Sie sind 4 volle Wochen (und 0 Tage) schwanger

4+2: Sie sind 4 Wochen und 2 Tage schwanger oder anders gesagt: in der 5. Schwangerschaftswoche

Während sich Embryonen noch recht gleichförmig entwickeln, schwankt die gesamte Schwangerschaftsdauer von Kind zu Kind: nur wenige Prozent kommen tatsächlich am errechneten Geburtstermin auf die Welt. Die Mehrheit wird zwei Wochen vor oder nach dem berechneten Geburtstermin geboren.

Was steckt hinter diesen frühen Schwangerschaftszeichen?

Ist es zu einer Befruchtung gekommen, so beginnt Ihr Körper, Hormone zu produzieren, um alles für das heranwachsende Baby vorzubereiten. Besonders wichtig sind die Hormone HCG, Progesteron und Östrogen. Diese führen zu körperlichen Veränderungen, die zu den typischen frühen Schwangerschaftsanzeichen zählen:

  • Häufigerer Harndrang
  • Wachstum, Spannen, Schmerzempfindlichkeit der Brüste
  • Schwangerschaftsübelkeit, Erbrechen
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Leichte Blutung (vgl. Einnistungsblutung bei „Veränderungen beim Baby“)

Alle diese Symptome sind normal, müssen aber nicht auftreten. Während manche Frauen sehr starke Anzeichen haben, spüren andere kaum eine Veränderung. Dies hat keinerlei besondere Aussagekraft, sondern zeigt einfach, wie individuell jede Frau und auch jede Schwangerschaft ist.

Die spannendste Frage für die meisten Frauen in dieser Zeit (und ihre Partner) ist wohl: Bin ich tatsächlich schwanger? Frühestens ab dem Ende der 4. Schwangerschaftswoche lässt sich mittels handelsüblicher Schwangerschaftstests verlässlich das Vorliegen einer Schwangerschaft nachweisen und auch im Ultraschall ist noch wenig zu sehen. Trotzdem spüren Sie wahrscheinlich schon den beginnenden Umbruch in ihrem Körper. Hebammen stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, Antworten auf Fragen zu finden, wie: Ist dieses Symptom normal? Auf welche Dinge muss ich in meinem Leben nun achten, um die Entwicklung meines Babys bestmöglich zu unterstützen? Wann soll ich meinem Umfeld sagen, dass ich schwanger bin? Hebammen in Ihrer Umgebung finden Sie beispielsweise in der  Hebammensuche.

Wer sich schon sicher und  neugierig auf den errechneten Geburtstermin ist, der kann einen der Schwangerschaftsrechner oder der Geburtsterminrechner online für einen ersten Eindruck verwenden. Die genaue Festlegung erfolgt nach der Ultraschalluntersuchung durch den Frauenarzt. Zur Berechnung der Schwangerschaftswochen finden Sie nähere Infos in der Infobox.

Veränderungen beim Baby:

Seit der Befruchtung haben sich die Zellen schon häufig geteilt und einen kleinen Embryo geformt, der zu Beginn der 4. Schwangerschaftswoche seinen Platz in der Gebärmutter gefunden hat. Bei diesem Prozess, der auch „Einnistung“ genannt wird, verbindet sich der Embryo mit dem Blutkreislauf der Mutter. Dadurch kann es auch zu einer leichten Blutung kommen. Diese ist zwar deutlich geringer und kürzer als eine Regelblutung, wird aber manchmal damit verwechselt.

Die ursprüngliche Kugel aus Zellen hat sich bereits in zwei Teile geteilt: den Embryo, aus dem sich das Kind weiterentwickelt, und jenen Teil, der sich später zum Mutterkuchen (Plazenta) weiterentwickelt, also dem Organ, mit dessen Hilfe das Baby Sauerstoff und Nährstoffe aus Mamas Blut erhält. Bis dieses Organ voll funktionsfähig ist, übernimmt der Dottersack, der beim ersten Ultraschall vielleicht schon sichtbar ist, diese Aufgabe.

Worauf soll ich achten?

In den nächsten Wochen werden alle grundlegenden Organe des Embryos angelegt: Daher können schädigende Einflüsse wie Alkohol, Nikotin, Drogen, bestimmte Medikamente und Strahlung besonders schwerwiegende Auswirkungen haben. Sobald Sie den Verdacht haben, schwanger zu sein, oder am besten schon wenn Sie eine Schwangerschaft planen, sollten Sie potentiell gefährdende Verhaltensweisen beenden oder zumindest bestmöglich reduzieren. Nehmen Sie Medikamente ein oder benötigen Sie Untersuchungen oder medizinische Behandlungen, so informieren Sie Ihre ÄrztInnen und Behandelnde auf jeden Fall über das (mögliche) Bestehen einer Schwangerschaft. Ihnen ist unklar, ob ein bestimmtes Verhalten negativ für das Kind sein könnte? Fragen Sie doch Ihre Hebamme – sie wird Ihnen nähere Informationen dazu geben können.

Zum Thema Ernährung ist es wichtig, dass sie nicht doppelt soviel essen (der zusätzliche Energiebedarf im ersten Drittel der Schwangerschaft beträgt nur etwa 100 kcal täglich), sondern besonders ausgeglichen und hochwertig. Seien Sie aber vorsichtig und meiden Sie rohe Tierprodukte, v.a. rohes Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte – diese können Keime enthalten, die für Erwachsene harmlos, für den Embryo möglicherweise aber problematisch sind.

 

Hilfreiche Kriterien, um Vorwehen von Eröffnungswehen zu unterscheiden

 

Vorwehen bzw. Senkwehen

  • Sind meist unregelmäßig in ihrer Frequenz, Stärke und Dauer.
  • Halten nur eine gewisse Zeit an und hören dann wieder auf.
  • Im Liegen oder beim Baden im warmen Wasser lassen sie nach.
  • Die Schmerzen werden häufig ähnlich wie Menstruationsschmerzen empfunden und strahlen vorwiegend in die Leistengegend aus.

 

Eröffnungswehen

  • Die Wehenabstände werden zunehmend kürzer und die Wehen kommen in rhythmischen Abständen.
  • Intensität und Dauer von Wehen (bis zu 60 Sekunden).
  • Trotz Entspannungsbädern halten die Wehen an.
  • Die Schmerzen werden oft im Kreuzbereich wahrgenommen.
  • Die Konzentration auf das Geschehen nimmt deutlich zu.

 

Hilfestellung, wann man ins Krankenhaus / Geburtshaus losfahren soll

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  • Die Wehen kommen alle fünf bis sieben Minuten.
  • Jede Wehe dauert mindestens 30 – 60 Sekunden und die Wehen werden zunehmend stärker.
  • Bei einem Blasensprung – ganz unabhängig davon, ob schon Wehen eingesetzt haben oder nicht. Ob man bei Blasensprung liegend ins Krankenhaus fahren sollte oder nicht, wird kontroversiell diskutiert. Am besten fragen Sie Ihre Hebamme, die Ihre persönliche Situation kennt.
  • Das Bauchgefühl oder körperliche Signale zeigen, dass eine Kontrolle wichtig wäre.

 

Wehen und Aufnahme im Krankenhaus

Wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um ins Krankenhaus zu fahren, ist individuell sehr verschieden. Fühlen sich manche Gebärende zu Hause am wohlsten, können andere nur loslassen, wenn sie in der kontrollierten Umgebung der Klinik sind. Im Krankenhaus werden die wehende Frau und ihre Begleitperson von der Hebamme willkommen geheißen und ein erster Befund wird erhoben.

Die Hebamme stellt mit Hilfe einer vaginalen Tastuntersuchung fest, ob und wie weit die Wehen den Muttermund bereits geöffnet haben, ob ein Blasensprung stattgefunden hat und wie es dem Baby geht. Dies geschieht meist mit Hilfe eines CTG-Gerätes. Die Abkürzung steht für Cardio (Herz) – Toko (Wehen) – Graphie (Aufzeichnung), und das Gerät verfügt über eine Doppelfunktion: Einerseits wird der Wehendruck gemessen und andererseits werden die Herztöne des Babys mit Hilfe des Dopplerverfahrens hörbar gemacht. Beides geschieht zeitgleich über zwei flache Ableitungssensoren, die an der Bauchdecke angebracht werden.

Die Messung ist völlig schmerzfrei, erfordert aber mitunter etwas Geduld. Sie läuft meist über mindestens 30 Minuten, um aussagekräftig zu sein. Einige Wahlhebammen führen diese Untersuchung auch zu Hause durch. Je nach Befund wird dann entschieden, ob der Zeitpunkt gekommen ist, um ins Krankenhaus zu fahren. Jetzt ist die Zeit gekommen, um verschiedene Körperpositionen, Entspannungsmethoden, Massagetechniken und Atemmuster anzuwenden. Wenn die Pausen zwischen den Wehen noch lange dauern, kann es auch sinnvoll sein, sich noch ein wenig auszuruhen, zu dösen und mit seinen Kräften hauszuhalten.

Es bleibt bestimmt noch genug Zeit, all die Wohltaten auszuprobieren, schließlich ist die Geburt ein Prozess, der meist viele Stunden dauert. Keine Sorge: Der weibliche Körper ist dafür geschaffen ein Kind zu gebären – kraftvoll und stark – und eines ist auch ganz gewiss: Frauen wachsen bei der Geburt ihres Kindes weit über sich hinaus …

 

Die Hebamme steht in dieser Phase zur Seite und …

  • heißt die Familie im Kreißsaal willkommen
  • macht das Aufnahmegespräch
  • erhebt wichtige Befunde (Blutdruck, Harnkontrolle, …)
  • kontrolliert die Herztöne des Kindes
  • zeigt dem Paar Entspannungsübungen und Massagetechniken, Atemmuster und Körperpositionen
  • sieht wachsam auf den Geburtsverlauf
  • informiert über die Phasen der Presswehen,
  • Austreibungswehen und Nachwehen
  • gibt Raum und Zeit für die eigene Entfaltung

Nur jedes 25. Kind kommt pünktlich am errechneten Geburtstermin zur Welt.

 

Mit Fingerspitzengefühl Befunde erheben

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Um genaue Auskunft über den Geburtsfortschritt zu bekommen, führen Hebammen auch vaginale Untersuchungen durch. Folgende Aspekte werden beispielsweise diagnostiziert:

  • Wie sind die Konsistenz und Lage des Gebärmutterhalses? (Während der Geburt wird der Gebärmutterhals (lat. Portio) zum sogenannten Muttermund. Ist er weich, leicht geöffnet, gut tastbar, … ?
  • tastet den Bauch und den Muttermund der Gebärenden ab
  • Welcher kindliche Körperteil kann als erster ertastet werden?
  • Wie hat sich das Köpfchen des Babys ins Becken gedreht?
  • Wie ist der Zustand der Fruchtblase?
  • Wie weit ist das Baby schon im Geburtskanal?

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